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Ein Floh auf der Suche nach Frieden

Es war einmal ein Floh, der suchte ein kuscheliges Plätzchen, auf dem er sich für immer niederlassen konnte.

Er wollte endlich sesshaft werden und in Ruhe leben, denn er hatte das Ziel erreicht. Davon war er überzeugt.

Er hatte Dinge geändert, die er ändern konnte.

Er hatte Dinge so gelassen, die er nicht ändern konnte.

Er hatte die Fähigkeit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Und er liebte alles, was lebt und er half und gab, wo er nur konnte.

Seine Suche schien zu Beginn gar nicht so schwer zu werden. Er stellte keine hohen Ansprüche. Es war ihm ganz egal, ob er auf einem Hahn, einem Hund, einem Tiger, einem Menschen oder sonst wo lebt.

Er hatte nur eine Bedingung: Die Seele des Wesens, auf dem er leben würde, sollte mit seiner übereinstimmen.

Als erstes ließ sich der kleine Floh auf einem Hofhund nieder. 'Hier ist es schön warm und kuschelig', dachte er und legte sich zu einem kleinen Schläfchen nieder.

Doch plötzlich wurde er unsanft geweckt.

Der Hund bellte, was das Zeug hielt.

Er fletschte die Zähne und knurrte einen Mann an, der sich dem Haus des Bauern näherte.

'Warum macht der so einen Lärm', wunderte sich der Floh und krabbelte in das Ohr des Hundes.

Er fragte: "Warum machst du so ein Gezeter?"

Der Hund war erstaunt, denn er sah ja niemanden, der mit ihm sprach. Trotzdem antwortete er: "Mein Herrchen hat mich abgerichtet. Ich muss bellen, wenn ein Fremder kommt. Und wenn es ein Fremder ist, der etwas stehlen will, muss ich ihn beißen."

"Willst du das auch?", fragte der Floh.

"Wollen, wollen! Wer fragt schon, was ich will! Ich muss, wenn ich morgen etwas zu fressen haben will."

"Was willst du denn?"

Einen kurzen Moment dachte der Hofhund nach.

Dann sagte er: "Es würde mir gefallen, wenn ich bei einem kleinen Menschenkind leben könnte, das mich gut behandelt. Mit ihm könnte ich spielen. Ich könnte es beschützen. Ich hätte ein warmes Plätzchen am Ofen und regelmäßiges Fressen, ohne beißen oder bellen zu müssen."

Der Floh sagte ohne zu überlegen:

"Warum tust du es nicht?"

"Wer will mich schon. Ich bin ein bissiger Hofhund."

"Du hast dich entschieden, das zu sein, was du nicht bist. Daran kann ich nichts ändern. Ich wünsche dir, dass du dein Ziel nicht aus den Augen verlierst", sagte der Floh und ging.

Hier konnte er nicht bleiben.

Die Seele des Hundes stimmte mit seiner nicht überein.

Also suchte er ein anderes Wesen, auf dem er leben konnte und traf auf eine Katze.

'Die ist auch schön weich und kuschelig', dachte der Floh, 'und sie hat bestimmt keine Probleme damit, das zu sein, was sie wirklich ist. Katzen sind sehr eigensinnig. Sie tun immer, was sie wollen.'

Also grub er sich tief in das Fell der Katze und versuchte hier seinen Schlaf fortzusetzen.

Doch plötzlich wurde er durch ein lautes Kreischen geweckt. Er sah, wie die Katze einer kleinen Maus hinterher jagte.

Und so setzte sich der kleine Floh in das Ohr der Katze und fragte: "Warum jagst du der Maus hinterher? Hast du Hunger?"

"Nein, ich habe keinen Hunger", sagte die Katze verwundert und drehte sich ein paar Mal um sich selbst. Aber sie konnte niemanden entdecken, der mit ihr sprach.

"Warum jagst du die Maus?", wollte der Floh wissen.

Immer noch ein wenig verdutzt antwortete die Katze:

"Mein Frauchen würde mir nichts mehr zu fressen geben, wenn ich die Mäuse nicht aus ihrem Haus verjagen würde."

"Nur deshalb tust du es?"

"Was würdest du am liebsten tun?"

"Dumme Frage", sagte die Katze fast beleidigt. "Natürlich würde ich viel lieber mit den anderen Katzen durch das Land streichen und viel Spaß haben."

"Warum tust du es nicht?"

"Mäuse schmecken nicht so gut wie das Katzenfutter meines Frauchens."

Der kleine Floh verlässt das weiche Katzenfell und beschloss, sich ein anderes Ruheplätzchen zu suchen.

Auch die Seele der Katze stimmte nicht mit seiner überein.

'Jetzt werde ich mich in der Pore eines Menschen verstecken', beschloss der Floh. 'Dort ist es zwar nicht so kuschelig, aber warm und sicher.'

Also suchte der Floh einen Menschen, von dem er glaubte, dass er auch das große Ziel der Liebe zu allem erreicht hätte.

Er fand eine Mutter, die ihr Kind über alles liebte, wirklich liebte – ohne zu bestrafen und ohne schlechtem Gefühl.

Hier glaubte der Floh, nun endlich Ruhe gefunden zu haben.

Doch plötzlich hörte er die Mutter schimpfen:

"Lass das! Du wirst mein Kind nicht schlagen! Du bist ein böses Kind!"

'Oh je', jammerte der kleine Floh. 'Es ist schon wieder nicht das richtige Wesen für mich.'

Also krabbelte der Floh in das Ohr der Frau und fragte:

"Warum schreist du das Kind an und drohst ihm?"

Zuerst wusste die Frau nicht, wie sie auf diese Stimme reagieren sollte. Sie sah niemandem. Es war ihr unheimlich.

Trotzdem antwortete sie: "Dieses Kind wollte mein Kind mit einer Schaufel schlagen."

"Warum nimmst du das Kind nicht in deinen Arm und erklärst ihm liebevoll, warum es nicht gut ist, wenn es so etwas tut."

Und die Frau sagte aufgebracht: "Ist das mein Kind? Bin ich etwa für die Erziehung der Kinder anderer Leute verantwortlich?"

Der Floh musste mit großem Bedauern feststellen, dass er auch hier nicht den passenden Platz zum Ausruhen gefunden hatte und verließ die Frau.

Er war traurig, denn er probierte noch viele andere Wesen aus. Aber überall stellte er fest, dass sie nicht aus Liebe handelten.

Doch plötzlich geschah etwas Wunderbares.

Der Floh fand sich auf einem Wattestück oder etwas ähnlich Weichem wieder. Alles um ihn herum war freundlich und friedlich. Niemand war da, doch er konnte es spüren.

Da sagte eine Stimme: "Jetzt hast du dein Ziel erreicht."

"Wieso denn erst jetzt?", fragte der Floh.

"Du hattest alles verstanden und gelebt, aber du hattest es noch niemandem erzählt. Niemand wusste, dass du es geschafft hast. Und niemand wusste wie. Dann hast du auf deiner Suche nach einem Ruheplätzchen vielen Wesen auf der Erde einen Hinweis gegeben, wie es funktioniert. Und jetzt schau selbst, was du erreicht hast."

Mit diesen Worten hatte der kleine Floh eine große Leinwand vor Augen, auf der er das Leben all der Wesen sah, auf denen er sich ausruhen wollte.

All diese Wesen haben ihr Leben geändert und ihr Wissen weitergegeben.

Sie leben jetzt voller Zufriedenheit nach dem Prinzip der Liebe und des freien Willens.

Der Floh bekam eine Gänsehaut.

Sein Weg war also doch noch nicht ganz abgeschlossen.

Aber jetzt.

Jetzt konnte er endlich seine wohlverdiente Ruhe genießen.

© 2000 Beate Dapper, 50674 Köln
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